Erasmus in Basel - ein Traum am Rhein


Infos und Erfahrungsaustausch

Erasmus in Basel - ein Traum am Rhein

Beitragvon Almdudler » 01.06.2013, 11:33

Erfahrungsbericht Basel (1.Masterjahr Universität Basel)

Um es gleich vorweg zu nehmen: In Basel studieren zu dürfen ist ein echtes Geschenk!

Studium:
Das Studium in Basel ist in organspezifische Themenblöcke gegliedert.
Kleines Beispiel Themenblock Herz –Kreislauf im 1.Master:
4 Wochen am Stück vorwiegend vormittags Vorlesung von Kardiologen, Angiologen, Radiologen, Allgemeinmedizinern, Pathologen, also ganz bunt gemischt von verschiedenen Fachrichtungen her und spezifisch ausgerichtet auf ein Organsystem.
Am Mittag hat man dann einmal die Woche den Untersuchungskurs (AP Unterricht), wo man in Kleingruppen auf die verschiedene Spitäler verteilt wird. Der AP-Unterrricht ist aber nicht unbedingt deckungsgleich mit dem Themenblock den man gerade besucht .
So war ich während des Themenblocks Herz-Kreislauf für 5 Wochen im Kinderspital- was sehr interessant und lehrreich war.
Im ersten Masterjahr besteht die Möglichkeit am Einzeltutoriat teilzunehmen. Das bedeutet, dass man in der Regel einem Allgemeinmediziner (manchmal auch niedergelassenen Facharzt) irgendwo in der Schweiz zugeteilt wird, bei dem man einmal die Woche einen Nachmittag verbringt und selbst aktiv werden kann. Für mich war dieses Einzeltutoriat der Höhepunkt des Studiums in Basel und jede Woche aufs neue ein Motivationsschub. Ich hatte das Glück bei einem Allgemeinmediziner unterzukommen, der auf dem Land (Kanton Luzern) praktizierte und eine extrem breite Ausbildung anbot. So konnte ich jede Woche Röngtenbilder, die in der Praxis in der vorherigen Woche gemacht wurden, befunden, EKGs auswerten, Ultraschall lernen und anwenden, Wundversorgung und Gipsen lernen, ich durfte Hautveränderungen herausschneiden und anschließend nähen, Gynäkologische Untersuchungen durchführen und alleine Anamnesen und Status erheben. Es war wirklich unglaublich was ich an diesen Nachmittagen alles gelernt habe und wie ich dabei die Vielseitigkeit der hausärztlichen Tätigkeit kennenlernen durfte, die vom Säugling bis zu Greis über alle Fachrichtungen hinweg so viele Einblicke ermöglichte, nicht zuletzt auch in die Zusammenhänge von Körper und Psyche. Die Prüfung des ETs besteht aus der Anwesenheit an den min. 20 Nachmittagen und dem Verfassen eines Erfahrungs- und „Fehlverhalten“-Berichts.
Dann gibt es noch den „Klinischen Fall“. Dort stellt immer einmal pro Woche ein Student einer Gruppe von ca. 20 Studenten und einem Facharzt einen Fall aus dem Einzeltutoriat oder der Uniklinik vor und die Gruppe versucht sich systematisch an Diagnose und Therapie heranzutasten. Die Fälle haben immer einen Bezug zum Themenblock und thematisieren meist ein klassisches Krankheitsbild zum Beispiel Themenblock Herz-Kreislauf die Chronische Herzinsuffizienz.
Man muss einmal pro Semester so einen Fall vorstellen und bei 80 % der anderen Termine anwesend sein. Es ist nochmal eine ganz gute Übung das Gelernte im klinischen Kontext systematisch anwenden zu lernen.

Prüfungen:
Wenn man in Basel das 1.Masterjahr besucht hat man am Ende des ersten Semesters eine große MC-Prüfung über alle Themenblöcke des 1.Semesters.
Am Ende des Masterjahrs hat man nochmals einen MC über das 2.Semester sowie einen OSCE (Objective structured clinical examination) der das Wissen aus dem AP-Unterricht und den Kursen des gesamten Jahres überprüft.
Der MC ist vom Lernaufwand und der Prüfungsatmosphäre mit dem Physikum zu vergleichen (4h Prüfung 120 Fragen aus 4 Themenblöcken) er setzt sich aus verschiedenen Fragetypen zusammen: A-pos/A- neg: 5 Antwortmöglichkeiten und einer richtigen/falschen Antwort; Kprim: 4 Antwortmöglichkeiten und jede muss für sich mit +/- als richtig oder falsch bewertet werden; Kausalverknüpfung: 2 Aussagen die bewertet werden müssen und in ihrer Verknüpfung verifiziert werden müssen)

Der OSCE teilt sich in zwei Teilprüfungen:
PC- OSCE: innerhalb einer Stunde muss man ca.7 verschiedene Aufgaben am PC lösen (Beispiele) :
• EKG Auswerten
• Pathologiebilder auswerten und Strukturen zeichnen und benennen
• Radiologische Bilder auswerten und erklären
• Blutbild auswerten (Histologiebild und Blutwerte)
• Urinstatus
OSCE-Postenlauf: 6-10 Posten für die man je 7 Minuten Zeit hat (Beispiele):
• Nähen
• Überbringen einer schlechten Nachricht (Krebs-Rezidiv, HIV-Diagnose)
• Akutes Abdomen
• Fremdanamnese beim Kind
• Anamnese bei einem Simulanten
• Hautstatus
• Blasenkatheterwechsel
• Gelenkuntersuchung




Leben in Basel
Das Leben in Basel ist ein Traum!
Basel ist eine unglaublich vielseitige Stadt. Kulturell hat Basel mit Museen, Theatern, Kinos viel zu bieten, nicht zu vergessen natürlich die legendäre Basler Fasnacht!!!
Basel hat eine tolle Lage am Rhein, im Sommer kann man sich mit wasserfesten Säcken im Rhein entlang der Altstadt treiben lassen, die Rheinpromenade lädt das ganze Jahr über zum Verweilen ein. Kulinarisch hat Basel mit der Herbstmesse auch einen Höhepunkt des Jahres zu bieten. Überall in der Stadt werden Schweizer/Basler Spezialitäten verkauft vom Raclette, über „Mässmogge“ und „Bäggeschmutz“ ist für jeden was dabei. Was sich hinter diesen Begriffen verbirgt muss einfach ausprobiert werden! Ich kann nur sagen .... mhhhmmmm es lohnt sich!
Mit dem Halbtax-Abo ( entspricht der Bahncard 50) das man zur Hälfte von der Uni bezahlt bekommt, kommt man „relativ“ günstig in der Schweiz rum (ca. 20 Franken einfach Basel-Bern). Außerdem gibt es noch das „Gleis 7“-Abo, eine Karte mit der man ab 19Uhr kostenlos alle Züge in der Schweiz (außer Tram) benutzen kann. Dieses Gleis 7 Abo kann zusammen günstig mit dem Halbtax gekauft werden und lohnt sich wirklich.
In der Schweiz findet man einfach alles auf relativ engem Raum (Städte, Berge, Seen), das ist eine tolle Chance.

Wohnen:
Es gibt kein Studentenwerk der Uni das ein Wohnheim anbietet. Es gibt aber einige private Wohnheime (Mittlere Straße, Kath. Studentenhaus, Borromäum, Allumneum)
Ich selbst habe ein Zimmer im Katholischen Studentenhaus, das den Jesuiten gehört (wie auch das Borromäum), gefunden und hatte dadurch sehr schnell Kontakt zur Katholischen Studentengemeinde die im gleichen Haus ist, was gerade am Anfang wo man noch niemanden kennt einen große Chance ist.
Ich habe 370 Franken für ein Zimmer mit Waschbecken und Gemeinschaftsküche und Gemeinschaftstoilette/dusche gezahlt- das ist sehr human für Basel und nur so günstig, weil es von den Jesuiten und einem Freundeverein bezuschusst wird. Man sollte etwas Engagement nachweisen können, das Wohnheim ist aber nicht konfessionsgebunden. Optimal am Katholischen Studentenhaus ist, dass man nur 5 Minuten zur Uni, zum Rhein und zum Marktplatz braucht.

Preise:
Man muss sich bewusst sein, dass die Schweiz einfach teuer ist. Gerade im Vergleich zu den Lebenshaltungkosten in Homburg können einem anfangs schon die Augen übergehen. Laut Immigrationsbehörden der Schweiz liegen die Preise etwa 30% höher als in Deutschland, aber der Eindruck von mir ist , dass wesentlich mehr als 30% sind.

Organisatorisches:
Man sollte sich relativ früh um einen Platz in einem Wohnheim bewerben, wenn dass für einen eine Option ist, ich habe mich gleichzeitig mit der Bewerbung um einen Erasmusplatz (im Januar) für verschiedene Wohnheime beworben, natürlich ohne das Wissen ob ich das Physikum bestehe und den Erasmusplatz überhaupt bekomme.
Wenn man in Basel angekommen ist muss man erstmal das Welcome-Meeting des Studiensekretariats abwarten wo man alle Informationen sowie den Studentenausweis bekommt. Der Studentenausweis ist für die Anmeldung bei den Behörden, beim Kauf des Halbtax-Abos und beim Abschluss eines Kontos in der Schweiz notwendig, deshalb bringt es nichts schon davor die Dinge organisieren zu wollen.
Ich kann den Abschluss eines Postfinance Kontos sehr empfehlen. Der Automat steht im Unispital und in der Schweiz kann man mit diesem Konto alle wichtigen Bankgeschäfte sehr leicht erledigen, weil es sehr verbreitet ist. Für Auszubildende ist das Konto kostenlos.

Die Uni organisiert alles sehr gut für die Erasmusstudenten, besonders die Mitarbeiter im Studiendekanat der Medizinischen Fakultät sind sehr bemüht um einen. Außerdem gibt es auch noch eine Studentengruppe (http://www.basel.esn.ch/), die sich explizit um die Erasmusstudenten der Uni kümmert mit wöchentlichen Kneipentouren, Stadtführungen, Abendessen und Ausflügen.

Die Schweizer:
Höflichkeit wird in der Schweiz sehr groß geschrieben. Das wird aber in gleicher Weise auch von den Gästen erwartet. „Die Deutschen“ haben leider nicht immer den besten Ruf in der Schweiz, weil sie von vielen als zu direkt und daher unhöflich wahrgenommen werden. Wichtig ist, sich nicht von Deutschenfeindlichen Kommentaren entmutigen zu lassen, sondern einfach mit größtmöglicher Freundlichkeit zu kontern. Die Deutschen sind nun mal die größte Einwanderergruppe der Schweiz und daher auch eher mit Skepsis geäugt. Mein Tipp: Konzentriert euch nicht zu sehr auf die anderen Erasmusstudenten, sondern eher auf die Schweizer, so lernt ihr auch mehr über das Land und die Leute kennen, immerhin wolltet ihr ja in die Schweiz.
Man kann sich also auf ein interessantes Studium in wunderbarer Umgebung freuen!
Viel Freude in Basel, ich würde es jederzeit wieder machen!
Almdudler
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